Eine festlich geschmückte Stadt am Fronleichnamstag - das ist heute Geschichte -
Birkenbäumchen an jedem Haus in der Stadt. Vom Kirchplatz über die Kellerei- und Schnellerstraße, entlang der Martin-Reinhard-Straße zum Rathause und über die Bahnhofstraße zurück zur Stadtpfarrkirche. Die Häuser waren mit Girlanden und Fahnen festlich geschmückt, vor den Anwesen sah man immer wieder kleine Hausaltäre aber auch Heiligenfiguren. Altäre gab es am Anwesen Ort in der Kellereistraße, an der einstigen Baywa-Lagerhalle, heute Hintereingang der Mohrenapotheke, am großen Tor der Klosterkirche und am Eingangsbogen zur Markthalle am Rathaus.
Der Besuch dieser Prozession ist mit der Teilnahme heute, die in Bad Königshofen immer noch zufriedenstellend ist, nicht verglichen werden. Die Kindergartenkinder wurden von den Schwestern begleitete und streuten Blumen, ebenso die Kommunionkinder. Wie heute noch wurden die historischen Zunftstangen mitgetragen, aber auch die Kessler Madonna, getragen von den Frauen, die Figur des Heiligen Josef, von der Kolpingsfamilie und das „Jesulein“ von den älteren Kindern. Dieses, so ist jedenfalls auf der Rückseite vermerkt, hatte Geistlicher Rat Adam Pfeuffer „den Kindern von Königshofen“ gewidmet. Heute steht es am rechten Seitenaltar in der Kirche von Merkershausen.
Die Fahnenabordnungen der Vereine und Verbände begleiteten die Prozession ebenso wie erster, zweiter und dritter Bürgermeister gemeinsam mit dem gesamten Stadtrat. Damals wie heute wurden an den Altären Blumenteppiche mit den verschiedensten Motiven gelegt, ebenso der gesamte Weg mit frischem Gras gestreut. Anders als heute gab es zum Beispiel am Lagerhaus einen kleinen Holzaltar, ebenso am Königshofener Rathaus, wo traditionell der Abschluss der Prozession mit dem Segen für die Stadt und ihre Bewohner erfolgte. Dann ging es zurück zur Stadtpfarrkirche. Für die Anwohner war es selbstverständlich, dass an diesem Tag die Fahnen hervorgeholt und aufgestellt wurden, aber auch teils die Häuser geschmückt waren. Das ist allerdings ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, und so findet man heute nur noch wenige kleine Altäre mit Heiligenfiguren oder Fahnen an den Häusern. Noch bis in die 1980er Jahren stellte die Stadt kleine Birkenbäumchen zur Verfügung gestellt Aus Gründen des Naturschutzes wurde dies dann eingestellt.
An den Altären sang der Kirchenchor und zum Evangelium läutete die Marienglocke. Auch das ist heute Geschichte. Vor mehr als 100 Jahren wurden der Traghimmel der Stadtpfarrkirche gefertigt, der heute noch von Mitgliedern der Kirchenverwaltung getragen wird. Sie begleiten, wie seit Jahrzehnten, auch das Allerheiligste mit den goldfarbenen Kerzenhaltern. Um die Blumenteppiche kümmern sich seit vielen Jahren die Mitglieder im Pfarrgemeinderat Bad Königshofen, ebenso die Eltern der Kommunionkinder und Firmlinge. Drei Teppiche aus Blüten werden an den Altären gelegt.
Bereits um 5 Uhr heißt es aufstehen, damit pünktlich zu Beginn der Prozession der Teppich gelegt ist. Frisch aussehen soll der Blumenteppich, weshalb er nach dem Legen nochmal befeuchtet wird. Henrich Weber und Alfred Fischer kümmern sich, wie seit Jahren, um das Gras, das traditionell auf dem gesamten Prozessionsweg gestreut oder an den Altären benötigt wird. An solch einem Festtag wie Fronleichnam sind natürlich möglichst viele Messdienerinnen und Messdiener gefragt. Neben den Gläubigen begleiten Bürgermeister und Stadtrat, sowie Fahnenabordnungen der Vereine und Verbände die Prozession. Mit dabei natürlich die Stadtkapelle Bad Königshofen. Der Fronleichnamstag beginnt in Bad Königshofen um 9 Uhr mit dem Gottesdienst, anschließend findet die Prozession statt.
Autor: Hanns Friedrich

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