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Vor 40 Jahren war es ein Novum, als der Direktor des Kilianeums Bad Königshofen und der evangelische Pfarrer Gottfried Kraus sich gegenseitig ein Aschenkreuz auflegten.

Die ökumenischen Beziehungen steckten in Bad Königshofen in den 1980er Jahren noch in den „Kinderschuhen“, vor allem was gemeinsame Gottesdienste betraf. So war es an Aschermittwoch 1986 ein Novum, als der damalige Direktor des Bischöflichen Priesterseminars Bad Königshofen, Günter Putz, einen ökumenischen Gottesdienst feierte. Mit ihm stand der evangelische Pfarrer Gottfried Kraus am Volksaltar in der Stadtpfarrkirche. Beide zeichneten sich das Aschenkreuz auf die Stirne, bevor dann dieses traditionell auch bei den Gläubigen aufgelegt wurde.

Es war noch die Zeit, als es keine „Faschingsferien“ wie heute gab und die Schulen geschlossen den Gottesdienst am Aschermittwoch besuchten. Woher aber kommt die Asche für das „Aschenkreuz“?  Traditionell wird sie aus den vor einem Jahr geweihten Palm- oder Buchsbaumzweigen gewonnen. Die Asche wird dann gesiebt und kommt in eine Schale. Beim Gottesdienst an Aschermittwoch wird sie dann vom Priester gesegnet und damit ein Kreuz auf die Stirne der Gläubigen gezeichnet.

Die Asche steht in der katholischen Kirche für Vergänglichkeit, Reue, Buße und den Tod. Gleichzeitig soll sie ein Hoffnungszeichen für die Auferstehung Christi sein. So spricht der Priester beim Auflegen auf die Stirne: Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst.“  Der Aschermittwoch ist in den christlichen Kirchen aber auch der Beginn der 40-tägigen Fastenzeit.

Als Zeichen dafür werden in Kirchen, die einen „Flügel-Altar“ besitzen, diese zugeschlagen. Das bleibt so bis zur Osternacht. Im Grabfeld ist dies unter anderem Brauch in der Stadtpfarrkirche aber auch in Breitensee. Dort ist es, wie in Bad Königshofen der Hochaltar. In der Stadtpfarrkirche kommt noch das „Schließen“ des Auferstehungsaltars hinzu. Die Außenseiten zeigen dann christliche Motive, die mit der Fastenzeit in Verbindung gebracht werden, oder auch nur Bibeltexte. In der Stadtpfarrkirche sind die zum Beispiel die vier Evangelisten mit ihren Symbolen abgebildet. Dazu kommt ein jeweiliger kurzer Text. So auch am Auferstehungsaltar.

In Schönau an der Brend sind während der Fastenzeit bis zum Karsamstag alle drei Altäre mit historischen Fasten- oder Passionstüchern verhüllt. Diese stammen aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster Maria Bildhausen. Die Besonderheit: Die Tücher verhüllen die Altäre und sind ein ungewöhnliches Zeugnis der Fastentradition und einmalig in Unterfranken. Hintergrund: Die verhüllten Bilder symbolisieren ein „Fasten der Augen“. Durch den Verzicht auf den visuellen Schmuck wird der Blick auf das Wesentliche der Fastenzeit, das Leiden und Sterben Jesu gelenkt. In der Kirche von Eyershausen wird ab Aschermittwoch das Altarbild mit einem großen Fastentuch verhüllt. Besonderheit: Ab Gründonnerstag steht im Altarraum ein historisches „Heiliges Grab“, das den gesamten Chorraum einnimmt.

In den 1960 er Jahren war es in der Stadtpfarrkirche Bad Königshofen üblich, dass einmal in der Woche der „Kreuzweg“ gebetet wurde. Unter Pfarrer Karl Merz ging es dann in der Kirche von einer Kreuzwegstation zur anderen. Verhängt wurden außerdem mit einem violetten Tuch auch verschiedene Bilder. An diese Tradition erinnern heute die sogenannten „Hungertücher“, die einen Teil des Altarraums verdecken. Der Verhüllungskünstler Christo, der vor Jahren in Berlin den Reichstag verhüllte stellte damals fest, dass Verhülltes oft besser wahrgenommen wird. Das gilt dann auch für die letzten zwei Wochen vor Ostern, wenn in den katholischen Kirchen auch die Kreuze mit violetten Tüchern verhüllt werden.

Autor: Hanns Friedrich

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