Es war ein Zufall, dass die Jesusfigur in einer Kiste im Haus Maria im Jahr 2021 entdeckt wurde.
Schnell stellte sich heraus, dass es ein Teil des „Heiligen Grabes“ aus dem Gotteshaus war. Eine beim Aufbau entdeckt Schrift nennt einen Bildhauer aus Ursberg, der im Januar und Februar 1943 die Jesusfigur schnitzte. Schwester Gunda, bis 1999 Generaloberin der St. Josefs-Kongregation von Maria Bildhausen erinnerte sich im Jahr 2022, dass es bis in die 1970er Jahre ein „Heiliges Grab“ in der Kirche gab. In der Karwoche habe Schwester Nikoleta als Sakristei-Gehilfin das sogenannte „heilige Grab“ am linken Seitenaltar in der Bildhauser Kirche aufgebaut. Es wurde mit vielen Lichtern und Blumen geschmückt. „Unsere Heimbewohner kamen dann in Gruppen zur Verehrung und wir Schwestern verrichteten unser liturgisches Gebet gemeinsam vor dem „heiligen Grab. “Schwester Gunda: „Sowohl der Karfreitag als auch der Karsamstag waren immer feierliche, heilige Tage und das Heilige Grab wurde auch von Menschen aus der Umgebung besucht.“
Über Jahrzehnte verschwanden in vielen Kirchengemeinden diese „Heiligen Gräber“. Doch in jüngster Zeit erstrahlen sie in einigen Gemeinden wieder in neuem Glanz. Einer der immer wieder Heilige Gräber in den Kirchen gestaltete war der Grabfeldkünstler Johann Peter Herrlein aus Kleineibstadt. Von ihm ist ein „Heiliges Grab“, das alljährlich in der Kirche von Eyershausen, einem Stadtteil von Bad Königshofen, wieder aufgebaut wird. Domkapitular Dr. Jürgen Lenssen, einst Leiter des Kunstreferates der Diözese Würzburg, weiß, dass Johann Peter Herrlein ein besonders prunkvolle Heiliges Grab 1764 für seine Heimatgemeinde Kleineibstadt anfertigte. Dort war es im Chor aufgebaut, hatte eine Höhe von rund sechs Metern und verdeckte den gesamten Altarraum.
Vor einem Jahr kam es vom Diözesanmuseum Astheim wieder zurück nach Kleineibstadt und war dort zu sehen. Es soll alle zwei Jahre aufgebaut werden. Wie das Heilige Grab aus Kleineibstadt waren diese Heiligen Gräber reich bemalte Bretter-Kulissen, die perspektivisch gestaffelt, den Durchblick auf die ausgesetzte Monstranz öffneten. Innerhalb des Aufbaus waren die Grabruhe Christi und oft auch Szenen der Passion dargestellt. „Ob fest installiert oder nach Bedarf aufgebaut, waren die Gräber Teil eines liturgischen Brauchs und werden nicht in den Bereich Volksfrömmigkeit eingeordnet.
Autor: Hanns Friedrich






