Ein Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert vorliegendes Dokument von 1841 legt die Baulast am Kirchturm fest.
40 Jahre sind es in diesem Jahr, dass eine aufwendige Sanierung des Kirchturms der Stadtpfarrkirche abgeschlossen wurde. Nun stehen erneut notwendige Instandsetzungsarbeiten an. Konkret geht es dieses Mal um die Kirchturmkuppel. Hier sind Schäden vorhanden, die dazu führen, dass es teils in den Turm hineinregnet. Dazu gab es bereits Begehungen und auch eine Lösung zur Entlüftung. Kürzlich trafen sich nun wieder Experten, sowie Vertreter Landesamtes für Denkmalpflege, des Landratsamtes, der Kreisheimatpflege und der Stadt gemeinsam mit Pfarrer Stephan Frank vor Ort. Im Mittelpunkt der Diskussionen stand die Frage nach der Baulast.
Immerhin war der Turm der Stadtpfarrkirche über Jahrhunderte ein Wachturm. In rund 63 Metern Höhe hatte der Türmer mit seiner Familie bis Ende des 19. Jahrhunderts eine Wohnung. Die Aufgabe des Türmers bestand vor allem darin stündlich einen Rundgang am Umgang, dem sogenannten Kranz, zu absolvieren, um Ausschau nach eventuellen Feinden, aber auch nach Bränden oder sonstigen Gefahren zu halten. Dies auch in den Nachtstunden. Hinzu kam das Aufziehen der Kirchturmuhr und im Ernstfall das Läuten der sogenannten Feuerglocke. Diese ist ebenso vorhanden, wie auch die Vorrichtungen für den Türmer, um dem Nachtwächter und den Hilfskräften die Einsatzstelle zu zeigen. Tagsüber war das nach alten Unterlagen eine rote Fahne, in den Nachtstunden eine Laterne.
Genau darum geht es bei den Gesprächen um die Baulast, denn damit war der Turm der Stadtpfarrkirche wichtig für die Stadt und ist heute das Wahrzeichen. Selbst der Türmer wurde von der Stadt bezahlt und ihm auch das notwendige Holz und vieles mehr geliefert. Mittlerweise hat Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert ein im Original erhaltenes Dokument aus dem Jahr 1841 zur „Feststellung der Concurrenz bei Kirche und Pfarrhausbauten im Landgerichtsbezirk, transkribiert. „Hierin sind Angaben über alle katholischen und evangelischen Gemeinden des damaligen Bezirksamts Königshofen im Grabfeld enthalten.“ Dort ist unter der Bezeichnung „Wem zunächst die Baupflicht obliegt“ festgehalten: „Für den Thurm die Stadtgemeinde, für die Kirche das Lokalkirchenvermögen.“
Weiterhin ist festgeschrieben, wer bei größeren Reparaturen herangezogen werden kann: „Bei Vermögenheit des Lokalkirchenvermögens sind die Gemeinde Königshofen und Ipthausen sowie das Distrikts Spital und die Concurrenzkasse der katholischen Stiftungen endlich das Allerhöchste Staatsaerar als decimator universalis zur baulichen Herstellung und Unterhaltung der Kirche und Pfarrgebäude concurrenzpflichtig.“ Für Pfarrer Stephan Frank wird mit diesen Vorgaben nun die Diözese in Kenntnis zu setzen. „Es ist mir wichtig, dass das leidige Thema der Baulast für den Kirchturm endlich korrekt geklärt wird.“ Dass eine Renovierung notwendig ist zeigt sich vor Ort. In der Turmzwiebel haben sich Balken leicht verschoben und zeigen Risse auf. Grund dafür ist unter anderem das eindringende Regenwasser. Sicher dürfte übrigens sein, dass die Balken der beiden Turmzwiebeln noch aus der Erbauerzeit vor 420 Jahren stammen, die 1603 aufgebracht wurden.
Dieses Datum ist aus einer Urkunde ersichtlich, die in der Turmkugel liegt. Dort heißt es: "Anno salutis 1603 ist dises Tach auf den Kirchthurm gemacht worden, als Julius des Geschlechts lezten von Mespelbrunn Bischoff zu Würzburg und Herzog zu Franken etc und 30 Jahr in der Regierung gewesen. Aufgeführt sind dann die Namen der Pfarrer sowie der Ober- und Unterbürgermeisters, des Stadtamtmanns, Stadtschreiber, Schulmeister, Organist und Stadtknecht. Zur Finanzierung der Turmsanierung, sagte Bürgermeister Thomas Helbling auf Nachfrage, dass die Stadt allein nicht Träger der Maßnahme sei. Man könne sich lediglich mit einem Zuschuss beteiligen. Weitere finanzielle Unterstützung müsse es von der Diözese Würzburg, aber auch über Fördermittel, zum Beispiel über das Landesamt für Denkmalpflege, den Landkreis Rhön-Grabfeld, der Kirchenstiftung und Spenden geben. Lagen die Kosten für die Sanierung der beiden Turmhelme 1984 bei rund 320 000 Mark, so dürfte diese Summe wohl heute, in Euro enorm angestiegen sein. Im Jahr 2020 wurden an der Laterne des Kirchturms starke Sicherungsbänder angebracht. Seitdem kocht auch die Gerüchteküche in der Stadt. Der Turm sei nicht mehr stabil, die Laterne könnte einbrechen, eventuell seien gar die Anwohner gefährdet,“ hört man immer wieder. „Nichts von dem trifft zu.“ Es sind sogenannte „Arbeitsbänder“ für künftige Instandsetzungsarbeiten hoch über der Stadt.
Mittlerweile ist ein Entlüftungssystem eingebaut, das dafür sorgt, dass die Wärme, die sich unter der Kuppel des Kirchturms sammelt, entweichen kann.“ Damit wird eines der Probleme angepackt, dass zu einer Entfeuchtung des Gebälks im Turm führt, sagt Michael Heusinger von der Kirchenverwaltung. Das System arbeitet ohne Strom und wird nur durch den Wind bewegt, fügt Georg Rützel, von der Spenglerei Ress an. Damit entsteht eine Art Kamineffekt, wodurch sich die gewünschte Belüftung ergibt und den Balken und der Verbretterung die Feuchtigkeit entzieht. Vorgesehen sind bei einer Renovierung unter anderem die Balken zu verstärken und Risse zu schließen, durch die das Regenwasser eingedrungen ist. Betroffen sind bereits die Decke der Türmerstube. Abgebaut sind mittlerweile die historische Feuerglocke und ein Schlagwerk, die bisher in der Laterne des Turmes verankert waren.
Autor: Hanns Friedrich






