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In den Kirchenanzeigern liest man es in diesen Tagen immer wieder: Bitt- und Flurgänge. Es ist dies über Jahrzehnte überliefertes kirchliches Brauchtum, das vor allem in den Tagen vor dem Pfingstfest im Grabfeld heute noch gepflegt wird. So auch am Sonntag in Eyershausen, wo nach dem Gottesdienst die Gläubigen sich aufmachten und mit dem Altardienst und Pfarrvikar Paul Mutume um das Dorf gingen. Unterwegs wurde an vier Stationen angehaltne und hier das Evangelium gelesen. Die Fürbitten und Lieder unterwegs waren allesamt auf die Bitten um gutes Wetter und eine gute Ernte ausgerichtet.

In Wülfershausen gibt es an diesem Donnerstag die gelobte Hagelprozession zum Imkerkreuz.  Noch vor Jahren war es üblich, dass bei diesen Flurprozessionen das Allerheiligste in der Monstranz mitgetragen wurde. In Eyershausen hatte Pfarrvikar Paul Mutume den "Kreuzpartikel" dabei und segnete damit Feld, Flur und die Gläubigen. Erwachsene übernehmen in Eyershausen Ministrantendienst und tragen Kreuz und Fahne voraus. Auf dem Weg um das Dorf  waren die kleinen Altäre an Bildstöcken oder Heiligenhäuschen mit Blumen und Kerzen geschmückt. Der Abschluss war am Kirchaufgang am Kriegerehrenmal mit der lebensgroßen Statue des Auferstandenen. Unter Glockengeläut zogen dann Gemeinde, Priester und Altardienst in das Gotteshaus.

In Bad Königshofen führte der Weg der Flurprozession in den 1960 er Jahren dorthin wo heute das Neubaugebiet „Rennweg“ zu finden ist. Zurück ging es über die heutige Adam-Pfeuffer- und Sparkassenstraße zur Stadtpfarrkirche. Seit einigen Jahren führt der Prozessionsweg von der Stadtpfarrkirche durch die Fluren in Richtung Ipthausen. Dort findet traditionell ein festlicher Gottesdienst statt, bevor sich die Gläubigen auf den Rückweg machen.

Noch heute gibt es in Wülfershausen die sogenannte Hagelprozession zum Imkerkreuz für die gesamte Pfarreiengemeinschaft. Sie findet an diesem Donnerstag wieder statt. Die verstorbene Petronella Ebner aus Saal an der Saale verwies vor einigen Jahren auf eine Niederschrift von Pfarrer Anton Schaab aus dem Jahr 1898. Dort heißt es: Im Jahr 1652 hing ein furchtbares Gewitter drei Tage lang über dem Platze und wollte nicht weichen. Da gelobten die Einwohner von Saal an der Saale, den Donnerstag vor Pfingsten als hohen Feiertag alljährlich festlich zu begehen, wenn das drohende Unheil vom Himmel gnädig abgewendet würde.

So wurde der sogenannte Hagelfeiertag am 1. Oktober endgültig eingesetzt - einhellig von der ganzen Gemeinde, die damals 331 Personen zählte. Es gab 24 Höfe, das heißt, geschlossene Güter. Am 21. Mai 1699 wurde der 1652 gelobte Hagelfeiertag endgültig bestätigt. Für die Mühewaltung erhielt der Pfarrer einen fränkischen Gulden und ein Klafter Tannenscheit." Daran erinnert heute noch die Hagelprozession von Wülfershausen zum Imkerkreuz zwischen beiden Gemeinden. Die Flurprozessionen an den Bitttagen lassen sich auf eine Anordnung des Bischofs von Vienne, Mamertus im Jahr 469/470 zurück verfolgen. Grund waren Erdbeben und Missernten. Das Konzil von Orléans machte sie 511 für alle Kirchen Galliens verpflichtend.

Autor: Hanns Friedrich

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