logo pg Grabfeldbrücke
Bischof Friedhelm Hofmann segnet Euthanasie-Mahnmal – Es war eine bedrückende Stimmung, die am Samstag bei der offiziellen Vorstellung und kirchlichen Segnung des Euthanasie-Mahnmals im neu gestalteten Friedhof von Maria Bildhausen herrschte. Viele Gedanken der Teilnehmer gingen sicherlich zurück in eine Zeit, in der Unfassbares geschah. Das spiegelte sich auch in den Ansprachen von Direktor Walter Merkt, Gesamtleiter von Maria Bildhausen, Rainer Waldvogel und dessen Stellvertreter Michael Nowotny wider. Er hatte in seinem mit dem Künstler Willi Grimm abgestimmtem Manuskript den Satz geprägt: Den Namen kann man den Ermordeten nicht nehmen."

" Der Künstler selbst, der wie weitere am Mahnmal beteiligten Firmen, kostenlos mitwirkte, erhielt einen Bildband, der die Entstehung bis zur Fertigstellung dokumentierte. Verbunden war dies mit einen herzlichen "Vergelt`s Gott", wie Rainer Waldvogel sagte. Der Künstler habe sein geistiges Eigentum ebenso gespendet wie die Arbeit an der Skulptur und der Glasfenster. Der Segnung des Mahnmals ging eine Gedenkfeier im Abteigebäude voraus.  Rainer Waldvogel erinnerte dabei an eine Fahrt im Jahr 2013, die die Schwestern von Maria Bildhausen nach Schloss Hartheim organisiert hatten. Dort nämlich wurden die acht Behinderten aus der Einrichtung ermordet. Mit dabei sei auch Willi Grimm gewesen, der tief betroffen war und ein Mahnmal in Maria Bildhausen ins Gespräch brachte. Eines Tages habe er Rainer Waldvogel getroffen und ihm gesagt: "Wie lange wollen sie noch warten?" Das war vor zwei Jahren, sagte der Gesamtleiter der Einrichtung in Maria Bildhausen und da sei auch die Entscheidung gefallen. Finanziert wurde das Mahnmal zu je einem Drittel von den Schwestern der St. Josefskongregation Ursberg, der Stiftung Maria Bildhausen und ein weiteres  Drittel kam durch Spenden zusammen. Eine hohe Summe kam von der Diözese Würzburg. An Bischof Dr. Friedhelm Hofmann richtete Rainer Waldvogel deshalb seinen besonderen Dank. Herausgestellt hat er Domkapitular Clemens Bieber, der das Projekt von Anfang an mitgetragen und in Würzburg vorgetragen habe.

Rainer Waldvogel dankte aber auch den künstlerischen Freunden von Willi Grimm, so Thomas Pfarr aus Hartheim, Architekt Roland Ress (Bad Königshofen), den bauausführenden Firmen Alban Schmitt, Fensterbau Bernhard Weigand, sowie dem Statiker Büro Albus und Elektro Stirzel. Für die beeindruckenden Chorstücke beim Gottesdienst sagte er Regionalkantor Peter Rottmann und dem Ensemble Vokal Münnerstadt ein Vergelte Gott. Ein Dankeschön galt den Gärtnern, die ganze Arbeit geleistet hatten. Der Friedhof sei schön geworden. Herausgestellt hat der Gesamtleiter von Maria Bildhausen die Schwestern, die die Neugestaltung angeregt hatten. Das sei mutig gewesen, vor allem, da diese Entscheidung kurz vor ihrem Weggang aus Maria Bildhausen gefallen ist. Die Dokumentation von der Entstehung des Denkmals übergab Thomas Hahn. Er hat das Buch zusammengestellt. Schon immer habe es ihn betroffen gemacht, wenn er von den acht ermordeten Behinderten gehört habe. Nun sei eine Erinnerung geschaffen.

Direktor Walter Merkt sagte, dass sich die Betroffenheit der ums Leben gekommenen Menschen in der Nazizeit nicht in Worte fassen lässt. Man könne sicher sagen, dass Gott geweint habe, was Menschen, Menschen angetan haben. Natürlich habe sich die Frage gestellt, ob man ein Mahnmal braucht und ob man das Geld nicht anders anlegen könnte. Die Entscheidung sei aber richtig gewesen: "Sie haben einen Gedenk- und Mahnort geschaffen, in den man sogar hinein gehen kann. Unsere Zeit braucht solche Orte des Mahnens und Gedenkens." Es sei erschütternd, wenn man zurückdenkt, als hilfsbedürftige Menschen als nicht lebenswert und störend gebrandmarkt wurden.  Gedanken, die heute unvorstellbar sind, aber wieder kommen könnten. "Umso mehr ist solch ein Mahnmal wichtig, ein Denkort zum Denken. Dass das Denkmal im Friedhof von Maria Bildhausen stehe, sei passend. Früher habe man vom Gottesacker gesprochen. Ein Acker habe etwas mit Leben zu tun. Damit könne man sagen: Gott weint nicht mehr - er sagt ja zum Leben und gibt uns Hoffnung.

Es war eine persönliche Bitte des Künstlers Willi Grimm, dass Michael Nowotny in seinem Namen zu den Gästen sprach. Mehr als 260.000 Todesopfer hat der Nationalsozialismus unter den Menschen mit psychischer Erkrankung und geistiger Behinderung gefordert. Die 379 Menschen, die aus den Einrichtungen des Dominikus Ringeisenwerkes herausgerissen und getötet wurden, ließen Willi Grimm nicht ruhen. "Es geht schließlich um Mord!" habe er gesagt. So wird das Dach des Gebäudes von einer einschlagenden Axt aufgebrochen und zweigeteilt. Diese Axt zerbricht Raum und Wände. Der Künstler machte mit seinem Mahnmal deutlich, dass Gewalt und Tod in der christlichen Überzeugung nicht das letzte Wort haben. Die Fenster seien Zeichen der Hoffnung. Das Licht das durch sie in den Raum falle, lade dazu ein, in Stille die Namen derer zu betrachten, die durch Gewalt aus dem Leben gerissen wurden.

Eingetragen sind sie in einem massiven Buch aus weißem Marmor. Das sage nichts anderes als: Denen man das Leben nahm, denen kann ihr Name nicht mehr genommen werden. Im daneben liegenden Buch findet man Namen und Lebensdaten aller 379 Opfer aus den Einrichtungen der St. Josefskongregation, die in der Nazizeit ermordet wurden. "Sie stehen beispielhaft für alle Opfer des Tötungsprogramms der Nationalsozialisten an Menschen mit Behinderungen." Das Mahnmal setze ein Zeichen, wie der Künstler Willi Grimm lebt, wie er als Bildhauer wirkt und arbeitet und es ist ein Zeichen, wie Willi Grimm glaubt. Michael Nowotny: Gewalt steht nicht am Ende, am Ende stehen Licht und Hoffnung. Bischof Dr. Friedhelm Hofmann sprach am Denkmal ein kurzes Gebet und segnete es. Er segnete weiterhin die Gedenktafeln, die an die Schwestern erinnern, die in Maria Bildhausen lebten und wirkten. Im Anschluss daran nahmen viele Besucher das neue Denk- und Mahnmal in Augenschein.

Autor: Hanns Friedrich

­