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Kurz nach 9 Uhr machten sich am Montag Wallfahrer aus Merkershausen und anderen Ortschaften auf den Weg in den oberfränkischen Gnadenort Vierzehnheiligen. Vor 122 Jahren waren die ersten Fußpilger von Merkershausen unterwegs.

Um 1900 gibt es die ersten Aufzeichnungen der Wallfahrt nach Vierzehnheiligen. Aus dieser Zeit stammt auch das Wallfahrtsbild. Man legte die Wegstrecke von an die 70 Kilometer an einem Tag zurück. Auch der Rückweg erfolgte ohne Übernachtung. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten die Familien Then und Müller für viele Jahre den Wallfahrtsführer. Seit vielen Jahren ist es Toni Schneider. Eine Krise hatte die Wallfahrt in den 60er Jahren durchzustehen. Einmal fanden sich nur ganze sieben "Wallleut" ein. Auch die Zeit nach Corona hat ihre Spuren hinterlassen. An die 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten am Montag dem Wallfahrtsbild, das vornweg getragen wurde.  Die Vorderseite schmückt der Frankenthaler Kinderkranz mit den Vierzehn Nothelfern, auf der Rückseite ist eine Pieta dargestellt.

Schon seit dem Mittelalter bestehen enge Beziehungen zwischen Merkershausen und dem Kloster Langheim. Markgräfin Anna von Brandenburg und Adelsfrau von Henneberg, eine Tochter des deutschen Königs Albrecht I., ließ die Kapelle in Merkershausen dem Kloster Langheim übertragen. 1310 wird diese Kapelle zur Pfarrkirche erhoben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Merkershausen von den Schweden niedergebrannt. Danach war das Kloster Langheim für Merkershausen zuständig. Zisterzienser ließen in der folgenden Barockzeit die Wallfahrt wieder beleben. 1797 mit der Übernahme der Seelsorge in Merkershausen durch die Diözese Würzburg lockern sich die Beziehungen mit Langheim; die Säkularisation von 1803 lässt schließlich die Wallfahrt "sterben", bevor sie um 1900 wieder auflebte.

Wie schon im vergangenen Jahr gab es wieder eine Plakette für die Pilger in Merkershausen. Diesmal zeigt sich die ukrainischen Farben und die Heilige Katharina Am Montag ging es über Althausen, Sulzdorf, Ermershausen und Wasmuthausen nach Seßlach. Hier wurde übernachtet, bevor man am Dienstag um 13.30 Uhr in Vierzehnheiligen ankommt. Am Abend um 19 Uhr ist dann Wallfahreramt und Lichterprozession. Zurück geht es am Mittwoch bis nach Seßlach und am Donnerstag, Christi Himmelfahrt werden die Wallfahrer gegen 19 Uhr in Merkershausen zurück erwartet. Traditionell eröffneten damit wieder die Merkerhäuser die Wallfahrtswoche im Grabfeld.

 Am Montagabend kommen die Wallfahrer aus dem hessischen Simmershausen ins Grabfeld und am Donnerstag um 6 Uhr gibt es für die Eyershäuser Pilger einen Gottesdienst, bevor man sich auf den Weg nach Vierzehnheiligen macht. Nach dem Gottesdienst gehen an gleichen Tag die Sulzfelder in Richtung Vierzehnheiligen. In Sulzfeld geht man davon aus, dass es sich um eine der ältesten Wallfahrten nach Vierzehnheiligen handelt, weil Pater Dominik von Vierzehnheiligen vor 25 Jahren schon auf das Wallfahrtsbild hinwies und es als eines der ältesten Wallfahrtsschilder bezeichnete. Damals schätzte er es auf etwa 180 Jahre, weiß Gerwin Solf aus Sulzfeld. Allerdings war die Wallfahrt in den Jahren um 1956 „eingeschlafen“. 1985 machten sich dann erstmals unter Pius Sterzinger 20 Sulzfelder wieder auf den Weg und ließen die alte Wallfahrertradition aufleben.

Das "Schlusslicht" der Grabfeld-Wallfahrten machen die Bad Königshofener, die am Freitagmorgen um 4.15 Uhr  von der Stadtpfarrkirche nach Vierzehnheiligen pilgern. Sie bewältigen an einem einzigen Tag die knapp 60 Kilometer. Die Königshofener Wallfahrt dürfte jedoch weit älter sein. Wallfahrtsbüchern zufolge gab es schon nach den ersten Weltkrieg erste Kriegerwallfahrten. Die jetzige Wallfahrt resultiert aus einem Gelöbnis von Kriegsteilnehmern des Zweiten Weltkrieges.

 Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten; hell grüßt ihr doppelter Choral den weiten Gottesgarten...“ so schrieb 1859 Viktor von Scheffel in seinem Frankenlied. Gerade in diesen Monaten hat es besondere Gültigkeit, wenn Wallfahrtsgruppen durch die fränkischen Lande ziehen.

Autor: Hanns Friedrich

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