logo pg Grabfeldbrücke
Turmbesichtigung beim Pfarrfest ein Highlight – "Darf ich mal an der Kurbel drehen? Können wir die Glocken auch anschieben? Ist das dann sehr laut? Wann läuten die denn?" Viele Fragen mußte Mesner Bruno Scheublein den Kindern beantworten, die beim Pfarrfest in Merkershausen zur Turmbesichtigung gekommen waren. Dort interessierte vor allem zunächst das alte Uhrenwerk, dann aber die vier Glocken, die im Turm des Gotteshauses hängen. Gespannt lauschten die Kinder den Erzählungen des Mesners und als der auch noch die Glocken läuten ließ war die Turmbesichtigung perfekt.

Doch zunächst stiegen alle die alten Treppenstufen im Turm nach oben. Immer wieder bat Bruno Scheublein, vorsichtig zu sein, sich am Treppengeländer fest zu halten und die schmalen Stufen zu beachten. Durch einen Mauerdurchbruch schlüpften alle dann in einen Turmbereich, in dem das alte Uhrenwerk noch steht. Die Kinder erfuhren, daß man im vorigen Jahrhundert die Turmuhr aufziehen mußte. Heute geht das natürlich elektrisch. Um die Zahnräder in Gang zu bringen gab es verschiedene Gewichte an langen Seilen, die dann ganz langsam nach unten rutschten und so das Räderwerk und die Turmuhr in Gang hielten. "Wenn sie ganz unten waren, blieb die Uhr stehen," sagte der Mesner

 Deshalb war es notwendig, daß man alle paar Tage nach oben ging und die Uhr mit einer großen Kurbel aufzog. "Das heißt der Mesner hat praktisch die Seile, an denen die Gewichte hingen mit der Kurbel nach oben gezogen," erklärte Bruno Scheublein den Kindern. Ganz klar, daß diese dann selbst einmal die Uhr aufziehen wollten. "Geht ja ganz leicht," meinten die Größeren und erfuhren, daß ja auch keine Gewichte mehr dranhängen, sondern nur die Zahnräder bewegt werden. Dann gings eine Etage höher. Dort hingen in der Glockenstube die vier Glocken der Kirche St. Martin in Merkershausen. "Es sind alles heute nur noch Glocken aus Eisen, weil im Weltkrieg die Kirchengemeinde die Glocken hergeben mußte," erklärt Mesner Scheuplein. Das waren historische Bronzeglocken, die natürlich einen ganz anderen Klang hatten, als heute die Glocken aus Eisen. Warum die Glocken weggenommen wurden, wollten die Kinder wissen. "Die wurden eingegossen und zu Kriegsmaterial, zum Beispiel für Kanonen verwendet," erklärte der kundige Mesner.

 Bevor er noch weiter erzählte, wollten die Kinder aber einmal versuchen eine der Glocken zum Läuten zu bringen. "Alleine schaffe ich das nicht," hieß es dann und so gab es noch weitere Mutige, die in den Glockenstuhl stiegen und die Glocke anschoben. Es dauerte dann schon eine ganze Weile, bis der Klöppel anschlug. Ein Moment, in dem die Kinder, die direkt an der Glocke waren, dann doch kurz erschrocken zurück gingen und sich die Ohren zuhielten. "Das ist ja furchtbar laut!" meinten sie lachend und wollten dann natürlich noch mehr über die Merkershäuser Glocken wissen. Bruno Scheublein zeigte auf die wenigen Inschriften, die an so mancher Glocke zu lesen sind. Meist sind sie in lateinischer Schrift. Sie verweisen darauf, daß diese Glocke einem Heiligen, wie Sankt Martin oder auch der Mutter Gottes geweiht sind. Die Glocken haben auch beim Läuten ihre besondere Bedeutung. So läutet die eine bei der Taufe, beim Tragen des Sarges eines Verstorbenen von der Leichenhalle zum Grab und sie läutet am Sonntag bei der Wandlung.

 Die nächste Glocke ist für das sogenannte "Totenläuten" zuständig. "Wenn jemand gestorben ist, dann wird sie geläutet und sagt den Menschen in Merkershausen, daß jemand tot ist." Außerdem ruft sie zu den Gebetszeiten, also früh und mittags. Sie läutet am Sonntag dann, wenn das Evangelium verlesen wird und werktags bei der Wandlung im Gottesdienst. Aufmerksam hörten die Kinder dem Mesner zu. So hat jede Glocke ihre Bedeutung und ihre Aufgabe. Die vierte Glocke ist jeden Tag zu hören und zwar zum sogenannten "Abendläuten". Natürlich konnte Mesner Scheublein auch die Frage beantworten, wie alt diese Glocken denn sind. Eine wurde 1920, zwei 1921 und die kleinste im Jahr 1952 gegossen. Auch die Frage nach dem Gewicht wurde natürlich korrekt beantwortet: Die Größte wiegt 1100 Kilogramm, die nächste 750 Kilogramm, dann kommt eine mit 700 Kilogramm und schließlich die Nächste mit 325 Kilogramm. Die Glocken haben natürlich unterschiedliche Klänge. Sie läuten in den Tönen "e", "fis", "gis" und "h". Dann hieß es: "Ohren zuhalten, denn jetzt wird es laut": Bruno Scheublein schaltete nämlich alle vier Glocken an.  Beginnend bei der kleinsten bis zur Größten schlugen sie nach und nach an. Die Kinder waren von dieser Turmbesichtigung begeistert und hatten zu Hause viel zu erzählen. Wenn jetzt in Merkershausen die Glocken läuten, dann wissen sie ein bißchen mehr und vor allem können sie sagen: "Da oben waren wir auch schon und haben gesehen, wie die Glocken läuten."   Text:  Hanns Friedrich

­